Dienstag, 31. august 2010 2 31 /08 /2010 05:43

So, nachdem die ploetzlich zusammenbrechende Stromversorgung gestern meinen langen, unglaublich lyrischen, an fundiertem Hintergrundwissen, lockerem Augenzwinkern und sprachlicher Brillanz nicht zu ueberbietenden Blog-Eintrag killte, heute und hier nur die Kurzfassung.

 

Wie ueberquert man eine Strasse in Saigon?

Die Strassen von HCMC, wie wir Eingeweihten gerne schreiben, sind ein Pflaster der Strassenverkehrsordnungsregellosigkeit. Wer einen Eindruck erhalten moechte, lese meinen allerallerersten Blogeintrag und multipliziere das Chaos mit 3,5 - ach, macht vier draus. Hier ueberlebt nur, wer buddhistische Gelassenheit besitzt. Wenn an Kreuzungen unueberblickbare Massen von Mopeds auf zweispurigen Strassen in achtreihiger Formation aus allen Richtungen auf dich zusteuern, du aber dennoch ueber diese Kreuzung musst, gilt:

 

- Ruhe bewahren. Nicht laufen! Leichter gesagt als getan, denn der erste Impuls des Europaeers bei heranbrausenden Motorfahrzeugen ist, einen kleinen Spurt hinzulegen. Hier gilt aber: Schliesse die Augen und gehe in gleichmaessigem Schritt ueber die Strasse. Zaehle als Hilfsmassnahme mit: Eins - zwei - eins - zwei... nur wenn du in deinem Tempo vorhersehbar bleibst, hast du eine Chance.

- Vereinfachung Nr 1: Suche dir ein altes Weiblein mit einem fahrbaren Strassenstand und klemm dich hinter sie. Dieses mobile Schutzschild, das sich mit stoischer Gleichmaessigkeit ueber die achtspurigen Hauptverkehrsadern bewegt, ist Gold wert.

- Vereinfachung Nr 2: Warte auf einen der regelmaessigen Regenguesse. Dann gibt es einen Moment, wenn alle Mopedfahrer an den Rand fahren, um sich ihre farbigen muelltuetenartigen Regenponchos ueberzustreifen. Das ist deine Chance. Regenguesse kommen ueblicherweise um vier und um sechs Uhr sowie meist ein zusaetzlicher in der Frueh.

- Was nicht hilft: Ampeln. Sie wurden erst vor kurzem in HCMC eingefuehrt, so vor 10 Jahren. Nicht jeder Fahrer kennt ihre Bedeutung schon.

Zebrastreifen. Lustige Strassendeko ohne tiefern Sinn.

Buergersteige. Sie sind Ausweich-Mopedstrecken. Immer wachsam bleiben!

 

Wie faehrt man tagsueber sechs Stunden in einem Schlafbus?

Als Europaeer ueber 1.70 m? Am besten gar nicht. Die Schmerzen so lange nicht mit Blut versorgter Extremitaeten halten lange an.

 

Wie isst man vietnamesisches Essen?

Das wuesste ich auch gern! Am ersten Abend gab es eine Suppe am Strassenstand, die ich erst mit Chopsticks und dann Loeffel irgendwie in den Bauch bekam. Was genau ich da ass, weiss ich nicht - wird Rind gewesen sein - nun, es blieb, wo es hingehoert.

In dem Hotel, in dem ich nun 2 Tage inkl Vollpension war, kennt die Perfiditaet jedoch keine Grenzen. Als einzige Inhaberin eines solchen full packages erhalte ich einen Tisch mitten im Raum zugewiesen, um den sich die chronisch unterbeschaeftigten Kellner in einigem Abstand  (mindestens eineinhalb Meter) postieren. Nun der Auftritt des dummen Touris.

Requisiten sind: Schrimps, ungeschaelt, in einer triefenden, fettigen Sosse. Chopsticks. Gabel und Loeffel.

Alternativ: Magere zaehe Haenchenteile, von denen zuvor alles, was nach mehr als einer 2-Millimeter-Fleischschicht aussieht, abgeschnitten wurde. Chopsticks. Eine Gabel. Ein Buttermesser.

Plus, als erschwerendes Element: die Personage von rund 6 Kellnern, die in regelmaessigen Abstaenden direkt neben dem Tisch vorbeischlurfen, dabei auf den Teller und die Essbewegungen des Gastes starren und einen Gesichtsausdruck zwischen Abscheu, Verwunderung und tiefem Befremden zeigen.

 

Ich lasse inzwischen alle Mahlzeiten ausser dem Fruehstueck ausfallen. Da gibt es Pancakes.

von K.
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Montag, 30. august 2010 1 30 /08 /2010 04:44

Eigentlich solte der erste Eintrag aus dem Urlaub ein froehlicher werden. Aber wie das so ist in Vietnam, wenn man als Kriegskundlerin dorthin reist...

 

Ich war in Saigon (oder HCMC, wie wir Eingeweihten schreiben) in dem bekanntesten Museum zum Thema, das mich nicht erst seit meinem ersten Patenkind in diesem Land beruehrt.

Draussen vor dem "Kriegsrestemuseum" lassen sich die Touristen noch lachend vor amerikanischen Panzern fotografieren. Drinnen wird es still.

 

Ich will und kann nicht allzu viel von dem beschreiben, was ich sah. Bilder, die aus den meisten deutschen Museen herauszensiert worden waeren. Ich kenne nun die Gesichter der Kinder, die von den Amerikanern in einer MG-Salve niedergemaeht wurden. Ich weiss bescheid ueber alle Details der Folter, wie sie die Vietcong an Regimekritikern veruebte. Ich weiss, wie ein Mensch aussieht, nachdem er an einem US-Panzer zu Tode geschleift wurde, was von einem Reisbauern uebrigbleibt, der von einer Granate zerfetzt wird, wie von Napalm verbrannte Kinder aussehen, wie Vietnamesen aussehen, die 1980, im Jahr meiner Geburt, zur Welt kamen mit all dem, was Agent Orange noch heute anrichtet in diesem Land.

 

Und ich begriff erst jetzt, was der Befehl "search and destroy" wirklich bedeutet, und ich begriff erst jetzt, warum - nennt mich blauaeugig, dass ich mir nie Gedanken darueber machte - man von vietnamesischen Zwillingen spricht bei dieser schlimmen Fehlbildungen. Ich sah viele, verursacht durch das Dioxin.

 

Und ich, die sich fast der Kriegsursachenforschung per Promotion verschrieb, musste irgendwann abbrechen, wenn ich nicht weinend zwischen all diesen Touristen in ihren Flipflops und mit ihren Kameras stehen wollte, musste hinaus in die Sonne und lief durch die Stadt und versuchte spaeter, den herunterstuerzenden Monsunregen die Erinnerungen an diese Bilder fortwaschen zu lassen. Es gelang nicht.

von K.
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Mittwoch, 18. august 2010 3 18 /08 /2010 10:12

Noch gut eine Woche bis Vietnam. Die Vorfreude wächst, die Nervosität diesmal nicht. Wenn man weiß, dass man jede noch so komplexe Situation in einem unbekannten Land mit unverständlicher Sprache, in dem man niemanden kennt, ohnehin meistern kann, wird Urlaub wohl richtig langweilig. Das größte Abenteuer stellt derzeit die Reise von Berlin nach Frankfurt dar, von wo mich mein zugegebenermaßen einer nicht allzu Vertrauen erweckenden Airline angehörender Flieger nach Saigon bringen wird. Nächstes Mal also doch die Mongolei, Somalia oder vielleicht Kolumbien. Was ist denn Urlaub, wenn man gar keine Angst hat dabei?

 

-

 

1103330_rest.jpg Angst habe ich dafür ein wenig ab und an beim Klettern. Na gut, Bammel. Wenn man in 14 Metern Höhe einen Move machen soll, der einen aller Wahrscheinlichkeit von der Wand purzeln lässt wie eine reife Birne vom Baum. Aber auch hier macht genau das den Reiz aus... bin jetzt schon süchtig. Apropos Birne: Das Erhebende am Klettern ist der Applaus meiner versierten Kletterpartner nach jeder 6er-Route... und die Kommentare, dass sie selbst nach einem halben Jahr erst auf meinem Stand gewesen wären. Das Frustrierende sind diese ganzen grazilen, unglaublich durchtrainierten Mädels. Nix Birne, alles Muskeln und perfekter Körper. Und dazwischen ich.... seufz. Dabei widme ich mich inzwischen so intensiv dem Speed-Jogging (Zeit ist Geld), dem Risiko-Reiten (wobei, das Goldstück benimmt sich derzeit), dem Extreme-Cycling (ein Kilometer ohne umgenieteten Fußgänger ist ein verlorener Kilometer) und eben dem Profi-Klettern, dass ich entweder aussehen müsste wie Cindy Crawford oder wie Miss Schwarzenegger. Indes, mein Körper bleibt mein Körper und moppelt vor sich hin, wenngleich ein wenig gestrafft und sehr sehr fit. Seufz. Auf der anderen Seite: Wenn dann diese grazilen Körperschönheiten Sätze sagen wie: Ich klettere auf Level 4-5, aber ich habe auch erst vor einem Jahr angefangen, und ich dann sagen kann: Ich klettere auf Level 6 und bin seit 3 Wochen dabei... dann grinst das kleine Konkurrenzmonster in mir doch sehr.

 

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Das Konkurrenzmonster bewirbt sich derzeit mal wieder, weil ich irgendwie ja doch mit meiner Sechstage- und 55-Stunden-Woche unterfordert bin. Aber die Reaktionen bleiben, nun, wie soll man es nennen... verhalten. Naja. Bis Ende September weiß ich, wie ich das nächste Jahr beruflich gestalten werde. Sagte mir das Universum jüngst. Und das ist ja eh mein Freund, behaupten Ich + Ich. Aber das müsst ihr jetzt nicht verstehen.

 

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Ansonsten? Nüscht... der Rechner geht wieder (Virus? Trojaner?) Apropos Trojaner: Ich umgebe mich mit Leuten, die Drogen nehmen und befreundet sind mit welchen, die aus Spaß alles plattmachende Computerviren programmieren.

Manchmal macht mir das Angst.

Dann denke ich wieder: Das ist Berlin. Wollteste ja.

Lass sie nur nie in deine Wohnung...

 

-

 

Apropos Wohnung (mein Gott, das ist ja ein Feuerwerk der schiefen Assoziationen heute). Habe wunderbare ebensolche am Wochenende bestaunen dürfen, Linienstraße, Dachterrasse mit Blick auf den Fernsehturm, nette Gesellschaft und leckerer Brunch. Das alles einem Oscar-Preisträger gehörend. Oder Oscar-Nominierten. Angeblich. Glaubte es gerne. Aber wenn Google trotz intensiver Suche für den entsprechenden, wohl bekannten Film keine Oscar-Nominierung in Sachen "Visuelle Effekte" ausspuckt, muss ich wohl davon ausgehen, dass irgendwer sehr auf irgendwen reingefallen ist.

Dann denke ich wieder: Das ist Berlin. Wollteste ja.

 

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1217438_bar.jpg Nicht ganz Berlin, sondern tiefstes Brandenburg war dagegen mein Samstag. Dorffest in Werneuchen. Wer...was? Na denn, dat kriecht ihr auch jejuujelt: Dieter Moor und Sonja Moor und ihr Hof, der ausgesprochen witzisch in "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht.... Geschichten aus der arschlochfreien Zone" beschrieben wird. Hatte ich noch in München gelesen und gedacht: Der Kerl ist aus der Schweiz nach Zühlsdorf gezogen und kennt Uwe und Regina, meine Stallbesitzer - denn das Pärchen, das er da beschrieb... Orijinal. Aber wie soll man das rausfinden, der wahre Ort wurde im Buch ja nie genannt... tja, meine reichen Kontakte zur Naturschutzwacht führten mich dann eben in den richtigen Ort, den der Schweizer Moderator und seine Gattin sich zum weiteren Leben aussuchten (und im Buch beschrieben als "Liebe auf den ersten Blick"... dabei ist das Kaff so Brandenburg wie der Rest Brandenburgs...). Und auf ihren Hof. (Ich habe mir aber dennoch verkniffen, mir mein Buch signieren zu lassen. Hatte ja am nächsten Tag meinen Oscar-Preisträger...)

 

Abends dann das Kontrastprogramm beim Geburtstagsbegießen in einer Steglitzer Kneipe. Und nach dem Dorfklischee nun das Uniklischee bewundern... Dozent, Mitte 30, zugegeben gutaussehend und charmant (verabschiedete mich mit Handkuss und sichtlich angetan), mit Begleitung: Studentin, zugegeben gutaussehend und sehr ... sagen wir mal ... niedlich. Hach, ich mag es, wenn die Welt so schubladig funktioniert!

 

-

 

Wo ich schon beim Namedropping bin... hatte ich schon erzählt, dass ich jetzt den Geschäftsführer kenne des Betriebs, der damals für Christo und Jeanne-Claude die Reichstagsverhüllung mithilfe von Industriekletterern umsetzte?

 

Das ist Berlin. Wollte ich ja!

 

-

 

Genug für heute. Demnächst dann mehr aus meinem Leben inmitten der Reichen ... öh ... Berühmten ... naja ... und Schönen ... ach was solls. Demnächst mehr aus Berlin!

 

Foto: stockexchange/jbrindes bzw. xramnet

von Kay
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Dienstag, 27. juli 2010 2 27 /07 /2010 15:38

Mangelnde Selbstbeherrschung und Konsequenz kann man mir nun wirklich nicht vorwerfen. Vorwerfen kann man mir höchstens das völlige Fehlen dieser gemeinhin als achtenswert bezeichneten Tugenden. Na und? Ich erhebe Launen zu meinen Maximen, benutze die Welt, wie sie mich benutzt, und bin ansonsten ein jammerndes, krankes, bemitleidenswertes Etwas, das eigentlich alles darf, bevor es sang- und klangstark verreckt.

 

Naja, ich war gerade joggen, was ich nicht dürfte, aber ich schaffe es nicht, es nicht zu tun, weil ich es einfach für mein Seelenheil brauche.

Und ich habe es geschafft, nicht hinzufallen dabei, was ziemlich gut ist für meine Verhältnisse und noch besser für meinen wieder extrem schmerzhaften Steiß. Wenn mir dieses Pferd nochmal unterkommt... (was sie, genau genommen, heute abend tun wird. Und sie wird wieder rumhüpfen, als gäbe es keinen angeknacksten Hintern da oben im Sattel. Kein Mitleid für mich. Nirgends).

Natürlich tat der Hintern dennoch weh.

Und jetzt erst recht. Weil ich in der Dusche ausrutschte. Wenn mir diese Dusche nochmal unterkommt....

 

 

<!---Themawechsel--->

 

Was ich nicht mag...

...den Gedanken, dass der Winter kommt - die Tage werden schon wieder kürzer...

...that some things never change - and some people, too, although they just had to pay their dues for their behaviour...

...duschen, reiten und kaputte Steißbeine...

...about 100 little things each day

 

956778_rock_climbing_1.jpg Was ich mag...

...about 200 little things each day

...wenn Soleil vom Galopp- in den Rudi-Rüssel-Rennschweinmodus umschaltet, sich selbst tieferlegt und den Spoiler ausklappt und paddampaddampaddam einen Hügel hochschießt

...avoir un chat impromptu avec un mec mexicain inconnu qui vie à paris, qui parle francais, espagnol, italien, allemand, anglais, russe et je-ne-sais-quoi et qui m'invite à Paris pour octobre

...the simple, sincere and warm smile of a lovely fiftysomething that passed me on her bike while I was walking down a street in Mitte

...durchgedrehte langhaarige 45-jährige Fassadenkletterer

...wenn mir den Weinbergsweg hinunter eine Frau entgegenkommt, sie geht schnell und trägt in ihren Armen einen Meerschweinchenkäfig, in dem das Meerschweinchen in seinem Laufrad rast

...mich stundenlang durch die windigen, sonnigen Straßen der Stadt treiben zu lassen und zu merken, dass mir alle Menschen freundlich gesonnen sind - keine Vorurteile, keine Herablassung, keine Erwartungen...

...die Cocktailpreise in der Dachkammer (und die Cocktails in der Dachkammer... ich sage nur B52, NICHT als Shot...)

...schaurige Ausstellungen im Naturkundemuseum (informiert euch mal über den Zungenkrebs bei Fischen - Achtung, nichts für Empfindliche)

...Sportklettern. Auch wenn die Zehen nach den engen Schuhen tierisch schmerzen, die Fingernägel nur noch eine flüchtige Erinnerung sind und man diverse Schrunden hat... bin das erste Mal über einen Überhang geklettert, musste mich, ohne mich noch festhalten zu können, mit Schwung hochstemmen, um den nächsten Griff zu erreichen - und schaffte es... Donnerstag geht es wieder an die Wand, und wenn mein Hintern nicht mitmacht, dann klettere ich halt nur mit den Armen!!!

 

Foto: Stockexchange / Escultura

von Kay
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Donnerstag, 22. juli 2010 4 22 /07 /2010 07:43

Wie würde ich herausfinden, ob die sponane Trennung von Soleil vor drei Tagen doch nicht nur mein Herz brach, sondern auch mein Hirn erschütterte, unter dem Aspekt betrachtet, dass mein Körper von mir nicht das Recht eingeräumt bekommt, Schwäche zu zeigen (auch nicht in seinen annähernd denkfähigen Weichteilen)?

Und würde es irgendeinen Unterschied machen, wenn ich es herausfände, außer, dass ich am Samstag nicht an den Fels dürfte (was ich mir nicht nehmen lasse)? Und nicht aufs Pferd steigen? Und ...

...

Ich ziehe meine Frage zurück.

von Kay
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