So, nachdem die ploetzlich zusammenbrechende Stromversorgung gestern meinen langen, unglaublich lyrischen, an fundiertem Hintergrundwissen, lockerem Augenzwinkern und sprachlicher Brillanz nicht zu ueberbietenden Blog-Eintrag killte, heute und hier nur die Kurzfassung.
Wie ueberquert man eine Strasse in Saigon?
Die Strassen von HCMC, wie wir Eingeweihten gerne schreiben, sind ein Pflaster der Strassenverkehrsordnungsregellosigkeit. Wer einen Eindruck erhalten moechte, lese meinen allerallerersten Blogeintrag und multipliziere das Chaos mit 3,5 - ach, macht vier draus. Hier ueberlebt nur, wer buddhistische Gelassenheit besitzt. Wenn an Kreuzungen unueberblickbare Massen von Mopeds auf zweispurigen Strassen in achtreihiger Formation aus allen Richtungen auf dich zusteuern, du aber dennoch ueber diese Kreuzung musst, gilt:
- Ruhe bewahren. Nicht laufen! Leichter gesagt als getan, denn der erste Impuls des Europaeers bei heranbrausenden Motorfahrzeugen ist, einen kleinen Spurt hinzulegen. Hier gilt aber: Schliesse die Augen und gehe in gleichmaessigem Schritt ueber die Strasse. Zaehle als Hilfsmassnahme mit: Eins - zwei - eins - zwei... nur wenn du in deinem Tempo vorhersehbar bleibst, hast du eine Chance.
- Vereinfachung Nr 1: Suche dir ein altes Weiblein mit einem fahrbaren Strassenstand und klemm dich hinter sie. Dieses mobile Schutzschild, das sich mit stoischer Gleichmaessigkeit ueber die achtspurigen Hauptverkehrsadern bewegt, ist Gold wert.
- Vereinfachung Nr 2: Warte auf einen der regelmaessigen Regenguesse. Dann gibt es einen Moment, wenn alle Mopedfahrer an den Rand fahren, um sich ihre farbigen muelltuetenartigen Regenponchos ueberzustreifen. Das ist deine Chance. Regenguesse kommen ueblicherweise um vier und um sechs Uhr sowie meist ein zusaetzlicher in der Frueh.
- Was nicht hilft: Ampeln. Sie wurden erst vor kurzem in HCMC eingefuehrt, so vor 10 Jahren. Nicht jeder Fahrer kennt ihre Bedeutung schon.
Zebrastreifen. Lustige Strassendeko ohne tiefern Sinn.
Buergersteige. Sie sind Ausweich-Mopedstrecken. Immer wachsam bleiben!
Wie faehrt man tagsueber sechs Stunden in einem Schlafbus?
Als Europaeer ueber 1.70 m? Am besten gar nicht. Die Schmerzen so lange nicht mit Blut versorgter Extremitaeten halten lange an.
Wie isst man vietnamesisches Essen?
Das wuesste ich auch gern! Am ersten Abend gab es eine Suppe am Strassenstand, die ich erst mit Chopsticks und dann Loeffel irgendwie in den Bauch bekam. Was genau ich da ass, weiss ich nicht - wird Rind gewesen sein - nun, es blieb, wo es hingehoert.
In dem Hotel, in dem ich nun 2 Tage inkl Vollpension war, kennt die Perfiditaet jedoch keine Grenzen. Als einzige Inhaberin eines solchen full packages erhalte ich einen Tisch mitten im Raum zugewiesen, um den sich die chronisch unterbeschaeftigten Kellner in einigem Abstand (mindestens eineinhalb Meter) postieren. Nun der Auftritt des dummen Touris.
Requisiten sind: Schrimps, ungeschaelt, in einer triefenden, fettigen Sosse. Chopsticks. Gabel und Loeffel.
Alternativ: Magere zaehe Haenchenteile, von denen zuvor alles, was nach mehr als einer 2-Millimeter-Fleischschicht aussieht, abgeschnitten wurde. Chopsticks. Eine Gabel. Ein Buttermesser.
Plus, als erschwerendes Element: die Personage von rund 6 Kellnern, die in regelmaessigen Abstaenden direkt neben dem Tisch vorbeischlurfen, dabei auf den Teller und die Essbewegungen des Gastes starren und einen Gesichtsausdruck zwischen Abscheu, Verwunderung und tiefem Befremden zeigen.
Ich lasse inzwischen alle Mahlzeiten ausser dem Fruehstueck ausfallen. Da gibt es Pancakes.
Angst habe ich dafür ein wenig ab und an beim Klettern. Na gut,
Bammel. Wenn man in 14 Metern Höhe einen Move machen soll, der einen aller Wahrscheinlichkeit von der Wand purzeln lässt wie eine reife Birne vom Baum. Aber auch hier macht genau das den Reiz
aus... bin jetzt schon süchtig. Apropos Birne: Das Erhebende am Klettern ist der Applaus meiner versierten Kletterpartner nach jeder 6er-Route... und die Kommentare, dass sie selbst nach einem
halben Jahr erst auf meinem Stand gewesen wären. Das Frustrierende sind diese ganzen grazilen, unglaublich durchtrainierten Mädels. Nix Birne, alles Muskeln und perfekter Körper. Und dazwischen
ich.... seufz. Dabei widme ich mich inzwischen so intensiv dem Speed-Jogging (Zeit ist Geld), dem Risiko-Reiten (wobei, das Goldstück benimmt sich derzeit), dem Extreme-Cycling (ein Kilometer
ohne umgenieteten Fußgänger ist ein verlorener Kilometer) und eben dem Profi-Klettern, dass ich entweder aussehen müsste wie Cindy Crawford oder wie Miss Schwarzenegger. Indes, mein Körper bleibt
mein Körper und moppelt vor sich hin, wenngleich ein wenig gestrafft und sehr sehr fit. Seufz. Auf der anderen Seite: Wenn dann diese grazilen Körperschönheiten Sätze sagen wie: Ich klettere auf
Level 4-5, aber ich habe auch erst vor einem Jahr angefangen, und ich dann sagen kann: Ich klettere auf Level 6 und bin seit 3 Wochen dabei... dann grinst das kleine Konkurrenzmonster in mir doch
sehr.
Nicht ganz Berlin, sondern tiefstes Brandenburg war dagegen mein
Samstag. Dorffest in Werneuchen. Wer...was? Na denn, dat kriecht ihr auch jejuujelt: Dieter Moor und Sonja Moor und ihr Hof, der ausgesprochen witzisch in "Was wir nicht haben, brauchen Sie
nicht.... Geschichten aus der arschlochfreien Zone" beschrieben wird. Hatte ich noch in München gelesen und gedacht: Der Kerl ist aus der Schweiz nach Zühlsdorf gezogen und kennt Uwe und Regina,
meine Stallbesitzer - denn das Pärchen, das er da beschrieb... Orijinal. Aber wie soll man das rausfinden, der wahre Ort wurde im Buch ja nie genannt... tja, meine reichen Kontakte zur
Naturschutzwacht führten mich dann eben in den richtigen Ort, den der Schweizer Moderator und seine Gattin sich zum weiteren Leben aussuchten (und im Buch beschrieben als "Liebe auf den ersten
Blick"... dabei ist das Kaff so Brandenburg wie der Rest Brandenburgs...). Und auf ihren Hof. (Ich habe mir aber dennoch verkniffen, mir mein Buch signieren zu lassen. Hatte ja am nächsten Tag
meinen Oscar-Preisträger...)
Was ich mag...
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